In der Welt des Permanent-Make-ups hat sich in den vergangenen Jahren ein deutlicher Paradigmenwechsel vollzogen. Im Fokus stehen aktuell nicht mehr auffällige und dauerhaft starke Looks, sondern dezente, individuell abgestimmte Ergebnisse, die die eigene Ausstrahlung unterstreichen. In diesem Zusammenhang werden Techniken präziser und die persönliche Beratung gewinnt an Bedeutung. PMU-Expertin und -Trainerin Melanie Miniaci gibt Einblicke in aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich und teilt unter anderem Pigmentier-Tipps für natürliche Ergebnisse.
Melanie Miniaci
Melanie, der Wunsch nach Natürlichkeit ist in der Beautywelt allgegenwärtig. Wie zeigt sich dieser Trend aktuell im Bereich Permanent Make-up?
Der Trend geht eindeutig weg von harten Konturen hin zu sanften Übergängen. Hautschonende Techniken und ein tiefes Verständnis für alle relevanten PMU-Faktoren machen es möglich, Ergebnisse zu schaffen, die nicht als PMU erkennbar sind, sondern die natürliche Ausstrahlung unterstreichen oder wiederherstellen. Das bedeutet: feine Härchenzeichnungen und sanfte Schattierungen bei Augenbrauen, zarte Wimpernkranzverdichtungen sowie leicht schattierte Betonungen statt auffälliger Lidstriche und Lippen in harmonischen Farbtönen ohne harte Konturen. PMU wird heute als diskreter, typgerechter Helfer verstanden – für mehr Frische, Symmetrie und als Grundlage für ein selbstbewusstes Auftreten im Alltag.
Wie unterscheiden sich die Erwartungen der Kundschaft heute im Vergleich zu vor einigen Jahren?
Früher stand oft der stark überbetonte, fast schon gestylte Look im Vordergrund – sichtbar, intensiv und am besten für immer. Heute wünschen sich Kundinnen und Kunden subtile Veränderungen, die sich über die Jahre anpassen lassen. Sie erwarten, dass PMU flexibel auf Typ, Hautzustand und Lifestyle abgestimmt wird. Gleichzeitig ist Aufklärung wieder wichtiger geworden – zum einen, weil übertrieben retuschierte Arbeiten falsche Erwartungen erzeugen, und zum anderen, weil Farbe, Technik und Nachsorge zusammenspielen, um ein langlebiges und natürliches Ergebnis zu erzielen.
Gibt es bestimmte Pigmentiermethoden oder Tools, die du heute bevorzugst, um besonders feine, realistische Ergebnisse zu erzielen?
Es gibt kein Universalrezept, das immer und bei allen Kundinnen und Kunden funktioniert. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich tiefgründig mit Haut, Technik, Zubehör und dem eigenen Fortschritt auseinanderzusetzen – und dabei Trends kritisch zu hinterfragen. Die Treue zu großen Marken der Branche hat sich gewandelt: Heute wird mehr ausprobiert und aus verschiedenen Firmen wird ein individuell funktionierendes Portfolio zusammengestellt. Für Augenbrauen orientiere ich mich an vorhandenen Härchen und variiere maximal um ein bis zwei Nuancen, bei Lippen am Naturton nahe der Schleimhaut, und am Auge kombiniere ich Schwarz mit Braun für weiche Schattierungen. Wer hauchdünne Linien und weich verblendete Effekte erzielen will, muss Material und Technik individuell anpassen, Hautreaktionen einschätzen und präzise arbeiten – Erfahrung, Analyse und Selbstkontrolle sind dabei die besten Werkzeuge.
Welche Herausforderungen bringt der Natural-Look-Trend mit sich im Hinblick auf Haltbarkeit und Nacharbeit?
Zarte Pigmentierungen wirken natürlicher, benötigen aber mehr Pflege und regelmäßige Auffrischungen als stark pigmentierte Looks. Weniger Farbdichte bedeutet ein sanfteres, schnelleres Verblassen – gewollt, aber mit der Notwendigkeit kürzerer Intensivierungsintervalle. Hinzu kommt der Gewöhnungseffekt: Was der Artist als harmonisch und natürlich empfindet, erscheint Kundinnen und Kunden nach einiger Zeit manchmal zu dezent. Hier sind Beratung und Verantwortungsbewusstsein gefragt, um die Balance zwischen Natürlichkeit und gewünschter Intensität zu halten.
Wie siehst du die Zukunft von PMU? Bleibt Natürlichkeit das Maß der Dinge oder kommt irgendwann wieder mehr Statement ins Spiel in diesem Bereich?
Natürlichkeit wird der Standard bleiben, weil sie zeitlos ist und zu jedem Alter und Lifestyle passt. Dennoch wird es Nischen geben, in denen Statement-Looks gefragt sind – etwa kreative Eyeliner-Styles oder kräftigere Lippenfarben. Unterschiedliche Generationen haben zudem verschiedene Vorstellungen von Natürlichkeit. Ein Ergebnis, das aus Sicht des Artist perfekt ausbalanciert ist, kann Kundinnen mit der Zeit zu dezent erscheinen (Gewöhnungseffekt). Die Zukunft liegt in Flexibilität und guter Kommunikation – PMU soll wandelbar bleiben, sich dem persönlichen Stil anpassen und die Balance zwischen subtiler Schönheit und individueller Ausdrucksstärke halten.