02.03.2011

Juckambulanz bei chronischem Juckreiz

Wenn die Haut ständig juckt

Fotoquelle: www.senioren-ratgeber.de
Juckreiz kann zur Folter werden. Oft ist das ständige Bedürfnis, sich zu kratzen, ein unterschätztes Leiden: Denn hinter Juckreiz steckt oft mehr als ein Hautproblem. Chronischer Juckreiz bringt viele Betroffene zur Verzweiflung. Nach einer aktuellen Studie leiden ca. 17 Prozent aller Berufstätigen unter ständigem Juckreiz. Eine Diagnose ist oft schwer zu stellen. Der Grund für die Hautprobleme kann nämlich viel tiefer liegen, so können z. B. erhöhte Leberwerte oder auch Nervenschädigungen Juckreiz verursachen.

Am Universitätsklinikum Münster beschäftigen sich Ärzte im Kompetenzzentrum Pruritus, einer Art Juckambulanz, intensiv mit dem Volksleiden Juckreiz. So betont die Leiterin der Juckambulanz, Professorin Sonja Ständer: „Manchmal löst nicht eine Ursache, sondern mehrere gleichzeitig den Juckreiz aus“. Mehr als die Hälfte der Patienten ist zwischen 60 und 96 Jahre alt, der Leidensdruck enorm. Man muss sich nur vorstellen, wie ein Mückenstich juckt – und das am ganzen Körper. Wer länger als sechs Wochen unter Juckreiz leidet, sollte sich ärztliche Hilfe holen. Pruritus ist keine eigenständige Erkrankung, und nicht immer steckt eine Hautkrankheit wie etwa Neurodermitis dahinter. Mediziner wissen, dass Juckreiz auch Erkrankungen wie Diabetes oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung begleiten kann, die den Stoffwechsel durcheinanderbringen. „Deshalb dürfen wir bei der Untersuchung nicht nur auf die Haut schauen“, weiß Ständer.

Ist jedoch trockene Altershaut der Auslöser, helfen oft schon einfache Maßnahmen, den Juckreiz in den Griff zu bekommen. Gut zum Reinigen der Haut sind pH-neutrale oder leicht saure Waschsubstanzen. Ideal sind rückfettende Duschöle oder Reinigungscremes. Wichtig: heißes Wasser und Vollbäder vermeiden, es entzieht der Haut Fett. Besser nur lauwarm duschen und nach jedem Waschen die Haut pflegen mit Lotionen oder Cremes mit Harnstoff, Vitamin E, Glycerin oder Lipiden. Diese erhöhen den Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut. Panthenol oder Hamalisdestillat wirken beruhigend. Bei vorübergehenden Beschwerden können Präparate mit Menthol, Polidocanol, Harnstoff, Kampfer, Benzocain und Johanniskraut sowie Sprays mit Menthol Juckreiz rasch lindern. Juckreiz-Ambulanzen gibt es mittlerweile auch an den Universitätskliniken Heidelberg und Düsseldorf.

Foto: Sonja Ständer, Leiterin Juckambulanz Uniklinik Münster