07.11.2005

Wenn Juckreiz zur Qual wird - neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Fotoquelle: Hautarzt Dr. Heiko Müller/Schwerin
Chronischer Juckreiz ist mit rund acht Prozent in der Gesamtbevölkerung ein häufiges gesundheitliches Problem. Wer ein enges soziales Netz und wenige belastende Probleme hat, leidet seltener unter Hautjucken. Dies sind die Ergebnisse einer Erhebung in Oslo, die norwegische Wissenschaftler bei der Tagung "International Workshop for the Study of Itch" vorstellten. Sie befragten mehr als 40.000 erwachsene Stadtbewohner. 7,5 Prozent aller Männer und 9,2 Prozent der Frauen waren betroffen. Personen ohne Probleme hatten deutlich weniger (6,6 Prozent) Juckreiz als belastete Personen (10,9 Prozent). Eine Studie aus Münster zeigt zudem, dass mehr als 70 Prozent der Patienten mit Juckreiz zusätzlich an psychosomatischen und/oder psychiatrischen Erkrankungen leiden.

Ein weiteres Thema der Tagung ist die Entschlüsselung der Mechanismen, die der Juckempfindung zugrunde liegen. "Bekannt ist, dass freie Nervenendigungen in der Haut Signale über das Rückenmark an das Gehirn schicken, die als Jucken wahrgenommen werden", erklärt Frau Dr. Weisshaar. Auslöser ist die Ausschüttung von Botenstoffen, z.B. Histamin, in der Haut, die die Nervenendigungen reizen. Immunzellen sind in der Lage, derartige Reizstoffe zu produzieren. In Heidelberg werden aktuelle Ergebnisse zur Bedeutung dieser Substanzen und der Verarbeitung von Juck-Reizen im Gehirn vorgetragen und diskutiert. Wichtige Einblicke geben Untersuchungen mit dem Kernspintomographen, die abbilden, was im Gehirn passiert, wenn es juckt und ob lindernde Medikamente wirksam sind.

Was kann bei starkem chronischem Juckreiz getan werden? Die Wissenschaftler stellen in Heidelberg Studien mit neuen und alten Wirkstoffen und Methoden vor. Ein Ansatzpunkt ist die Blockierung von Rezeptoren im Nervensystem durch Morphin oder ähnliche Substanzen, da Juckreiz eng mit der Empfindung von Schmerzreizen verbunden ist. Getestet wird auch die Bestrahlung mit UV-Licht. Als sehr effektives Mittel gegen den Juckreiz hat sich im Test mit Hautreizung durch Histamingabe die Kühlung mit Hautpackungen um 1 Grad Celsius erwiesen, wie eine Studie der Universität Gießen zeigt. Allerdings wird die Kälte meist als unangenehm empfunden. (Quelle: Medizin-News)