Schönheit & Selbstbild

BEAUTY Trend Forum: Vortrag Dr. Ada Borkenhagen

Psychosoziale Folgen von Gesichts- und Körperoptimierung

Foto: Dr. Ada Borkenhagen / Quelle: kpsm.ovgu.de

05.04.2017

Den Wunsch nach ewiger Jugend gab es schon immer. Doch beim Wunsch allein bleibt es oft nicht: „Die körperliche Erscheinung ist nicht länger eine Gabe Gottes, sondern eine freie Willensentscheidung und Teil der individuellen Autonomie“, zitiert Diplom-Psychologin Dr. Ada Borkenhagen den US-Kulturhistoriker Sander L. Gilman. Doch warum ist es so schwer, sich mit den Veränderungen des eigenen Äußeren im Verlauf des Lebens abzufinden? Warum finden wir Falten nicht einfach schön und als Ausdruck gelebter Erfahrung? Wie kann man altersangemessen gut aussehen ohne in die Falle des ewigen Straffens oder des sich Gehenlassens zu tappen?

In ihrem Vortrag „Psychosoziale Folgen von Gesichts- und Körperoptimierung“ im Trend Forum der BEAUTY Düsseldorf am 31.3.2017 stellte die Medizin-Psychologin die provokante Frage: „Sind Menschen, die sich kosmetischer Eingriffe unterziehen, psychisch auffällig?“ Eine mögliche Antwort („nein!“) vorweg gibt die Zahl schönheitschirurgischer Eingriffe weltweit: 32 Millionen haben allein im Jahr 2015 ihren Körper „optimiert“. Anhand der Ergebnisse einer länderübergreifenden Studie berichtete Dr. Ada Borkenhagen über Anti-Aging-Maßnahmen und die Erwartungen der Anwender/-Innen. Dabei ging sie der Frage nach, was diese über die Ursachen der Hautalterung wissen und welchen Einfluss Kosmetikanwendungen auf das Selbstbild und Selbstbewusstsein haben.

„Wer nicht schön ist, ist selber schuld“, soll Gilman einmal zynisch gesagt haben. Die Referentin nähert sich dem Thema wissenschaftlich-objektiv und fachlich-kompetent durch einen kulturhistorischen Überblick und vergleicht das „Körpertuning“ von gestern und heute sowie die unterschiedlichen Vorstellungen von Schönheit innerhalb europäischer Länder. So dominiert in Spanien etwa der Wunsch nach visueller, opulenter und extrovertierter Schönheit, während die Deutschen vermehrt auf Natürlichkeit setzen. Der Verjüngungswunsch sei in Deutschland am geringsten, Hauptgrund: Zeitmangel.

Das spannende Thema konnte im Vortrag naturgemäß nur gestreift werden, wer sich mit dem Thema intensiver beschäftigen möchte, dem seien die Bücher von Dr. Borkenhagen empfohlen (z.B. "Schönheitsmedizin. Kulturgeschichtliche, ethische und medizinpsychologische Perspektiven“, Psychosozial Verlag).

Über die Referentin: PD Dr. Ada Borkenhagen ist Medizin-Psychologin. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind: Körperoptimierung, Schönheitschirurgie und Schönheitsmedizin, Weiblichkeit, Identitäts- und Persönlichkeitsstörungen, Gen- und Reproduktionsmedizin.