Resilienz oder Burn-out?

Trend Forum 2016: Vortrag Prof. Dr. Martin Reuter

Foto: Prof. Dr. Martin Reuter/www.beauty.de

12.03.2016

Resilienz – Faktoren gegen Überlastung und Burnout

Obwohl sie kein anerkanntes Krankheitsbild ist, kennt fast jeder die Diagnose "Burnout": eine stressbedingte psychische Störung, die vor allem durch Dauerbelastung am Arbeitsplatz entsteht. Was unterscheidet Burnout von einer Depression? Welche Mechanismen stecken dahinter? Wie lässt sich das Leiden behandeln oder verhindern? Antworten auf diese Fragen lieferte der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Martin Reuter in seinem spannenden und anschaulichen Vortrag „Resilienz – Faktoren gegen Überlastung und Burnout“ im Trend Forum 2016 auf der BEAUTY Düsseldorf:

Stress wird als wichtige Ursache sowohl für Burnout als auch für Depression angesehen. Aus diesen Gründen rücken die Folgen von Stress in den Fokus der Forschung – und zwar zu Recht, denn sie überschatten oft nicht nur das Leben der Betroffenen und ihrer Familien, schränken Gesundheit und Wohlbefinden ein, sondern sind ein Phänomen, das mittlerweile unsere gesamte Gesellschaft in erheblichem Umfang beeinflusst. Was ist Burnout? Welche Symptome sind kennzeichnend? Was sind die Ursachen? Gibt es so etwas wie eine biologische Disposition?

Burn-out oder Resilienz? Prof. Reuter (Uni Bonn) sucht nach Faktoren, die vor dem sprichwörtlichen Ausbrennen schützen. Zwar liegt ein Teil der Risiken für Burn-out, Depressionen und erhöhte Stressanfälligkeit in den Genen - ein weiterer Teil aber auch darin, was die Umwelt aus diesen Genen macht, womit sich die Epigenetik beschäftigt.

«Die gute Nachricht ist: Wir wissen, dass uns unsere Gene nicht mehr fatalistisch beeinflussen», sagte der Psychologe und Mediziner Prof. Martin Reuter. Das zeigen erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu genetischen, epigenetischen und psychologischen Komponenten der Widerstandsfähigkeit (Resilienz) gegen diese Erkrankungen. Reuter leitet das Projekt Burn-out vs. Depression der Daimler und Benz Stiftung, in dem die Forscher ein ganzheitliches Modell der Stress-Resilienz erarbeiten wollen. Er soll psychologische wie genetische Variablen umfassen und könnte als Basis für individualisierte Therapien dienen.

„Burn-out kann jeden treffen“, so der Experte, „ob Hausfrau oder Manager. Die Burn-out-Ursachen sind vielfältig und finden sich sowohl in den Merkmalen einer Person und der Biologie/Genetik als auch in der Gesellschaft wie zum Beispiel dem Arbeitsumfeld“. Doch auch, wenn es genetische Prädispositionen für Burn-out gibt (die sich von denen für Depressionen im Übrigen unterscheiden), so ist Resilienz durchaus erlernbar – was sich wiederum auf die Gene auswirken kann. Wir können also unsere Gene beeinflussen und selbst viel für unser „seelisches Immunsystem“ tun – damit wir für eine Sache brennen können, ohne dabei auszubrennen.

Über Prof. Dr. Martin Reuter: Prof. Reuter untersucht mit seinem Team seit über drei Jahren die genetischen und epigenetischen Determinanten des Burnout. Der Psychologe und Neurowissenschaftler beschäftigt sich in seiner Forschung mit den neuronalen Grundlagen menschlichen Verhaltens. Er erhielt wissenschaftliche Preise sowie Auszeichnungen für exzellente Lehrveranstaltungen und herausragende Nachwuchsförderung. Er fungiert als Gutachter für internationale Zeitschriften und Forschungsinstitutionen und hat über 130 internationale Publikationen veröffentlicht. (Lesetipp: Spektrum der Wissenschaft: Gehirn + Geist, Dossier: Burnout. Die gestresste Gesellschaft, www.spektrum.de/inhaltsverzeichnis/burnout-gehirn-und-geist-dossier-1-2016/1373062 )