04.03.2008

Neue Therapien gegen Haarausfall

Fotoquelle: pixelio
Rund 100 Haare verliert ein gesunder Mensch pro Tag. Eigentlich nicht schlimm, so lange sie permanent ersetzt werden und sich der Verlust gleichmäßig über den ganzen Kopf verteilt. Wenn Haarausfall deutlich über dieses Maß hinausgeht, stellt das für die Betroffenen jedoch ein großes Problem dar - nicht nur äußerlich, sondern oft auch psychisch.

Einem internationalen Forschungsteam unter Leitung von Wissenschaftlern der Universität Bonn ist es nun in sechsjähriger Forschungsarbeit gelungen, ein Gen zu identifizieren, das für eine seltene erbliche Form des Haarausfalls namens Hypotrichosis simplex verantwortlich ist. Dabei gelang es ihnen erstmals, einen Rezeptor zu identifizieren, der beim Haarwachstum eine Rolle spielt. Die Wissenschaftler hoffen, dass die Forschungsergebnisse zu neuen Therapien bei verschiedenen Formen des Haarausfalls führen können.

"Hypotrichosis simplex ist selten, kann aber entscheidend dazu beitragen, die Mechanismen des Haarwachstums zu verstehen", fasst die Leiterin des Projekts, Dr. Regina Betz vom Bonner Institut für Humangenetik, die Forschungsergebnisse zusammen. Die Krankheit wird vererbt; sie trifft sowohl Männer als auch Frauen. Die Betroffenen beginnen in der Regel schon im Kindesalter, kahl zu werden. Der Haarausfall (Alopezie) schreitet mit den Jahren weiter fort und betrifft besonders die Kopfbehaarung. Ursache für die jetzt untersuchte Form der Hypotrichosis simplex ist ein Gendefekt. Er sorgt dafür, dass bestimmte Empfängerstrukturen auf der Oberfläche von Zellen des Haarfollikels nicht mehr korrekt gebildet werden. Wenn Botenstoffe von außen an diese Rezeptoren binden, setzen sie im Zellinnern eine Reaktionskette in Gang, die offensichtlich zur normalen Funktion des Haarfollikels notwendig ist. Bisher war kein derartiger Rezeptor bekannt, der eine spezifische Rolle für das Haarwachstum spielt. Die gute Nachricht: Die Defekte lassen sich medikamentös behandeln. Die Forscher konnten auch einen körpereigenen Botenstoff identifizieren, der im Haarfollikel an den Rezeptor bindet. Damit ergeben sich Chancen für die Entwicklung neuer Wirkstoffe. Möglicherweise können von derartigen Medikamenten Patienten profitieren, die unter ganz verschiedenen Formen von Haarausfall leiden. (Quelle: IDW)