30.11.2008

Nase vorn in der Schweißfußforschung

A. Schütze(r.) u. S. Horras/Foto: dasbilderwerk
"Ziehen Sie bitte die Schuhe aus?" Dieser Satz kann so manchen in Nöte stürzen. Vor allem wer gerne Sportschuhe trägt oder gar im Sommer ohne Strümpfe darin unterwegs ist, dürfte das Problem kennen. Buttersäure, Ammoniak und weitere Substanzen, die entstehen, wenn Bakterien den Schweiß zersetzen, verbünden sich zu einem unheil- und geruchsvollen Gemisch. Die gute Nachricht: Es liegt nicht allein am Fuß. Einige Textilbestandteile im Schuhinnern oder in Strümpfen sind wie dafür geschaffen, alle Aromen zur vollen Entfaltung zu bringen.

Mit einem Antischweißfuß-Gütesiegel können Schuh- und Textil-Hersteller künftig dank Saarbrücker Forschung bei ihren Kunden punkten: Die Firma, die Schuhe mit Innenfutter auf den Markt bringt, das Gerüche hemmt, statt sie zu entfachen, hat die Nase vorn. Im Wettstreit mit dem Billigschuh liefert sie dem Kunden am Schuhregal ein gutes Argument, lieber ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen. "Für Hersteller, die nicht mit niedrigem Preis dank billiger Löhne und Materialien punkten können und wollen, ist solche Innovation bare Münze wert", sagt Professor Andreas Schütze. So ist es denn auch die Schuh- und Strumpfindustrie, die großes Interesse an den Forschungen seines Lehrstuhls für Messtechnik an der Saar-Uni zeigt.

Das Team von Prof. Schütze hat sich auf intelligente Gas-Sensorsysteme aller Art spezialisiert. Diese elektronischen Sinnesorgane können alles Erdenkliche erfassen und messen - so auch Gase erschnuppern -, objektiver als die menschlichen Vorbilder. In einem gemeinsamen Projekt mit dem Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens (PFI) und den Hohensteiner Instituten machen sich die Forscher diese Fähigkeit zu Nutze. Begleitet wird das Projekt von mittelständischen Firmen der Schuh- und Strumpfbranche. Will eine Firma zukünftig etwa ein neuartiges Materialgemisch für das Innenfutter testen, gibt sie die Schuhe in die Prüfung: Diese wird mit Systemen aus der durchgeführt. Die elektronischen Nasen erfassen den aktuellen Geruch. "Dies geschieht in Form eines komplexen Signalmusters. Ein angeschlossener Laptop vergleicht dann das Muster mit zuvor trainierten Gerüchen, und das ähnlichste Muster und die damit verbundene Geruchsbelastung werden angezeigt", erläutert Horras. Ein besonderer Vorteil der Entwicklung: Sie ist transportabel und kann flexibel zum Einsatz kommen. Gute Aussichten also, dass in gar nicht mehr ferner Zukunft die ersten Schuhe und Strümpfe mit einem Anti-Schweißfuß-Gütesiegel in die Regale der Geschäfte kommen ... und der Satz "Bitte ohne Schuhe" dann auch seinen Schrecken verliert.