25.07.2006

Kritik an neuer Insulinverordnung

Foto: dpa
Etwa 200 000 Typ-2-Diabetiker sind von der Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) gegen kurzwirksame Analoga betroffen: Die Verordnung des GBA, kurzwirksame Insulinanaloga zur Behandlung von Typ-2-Diabetikern weitestgehend als Kassenleistung auszuschließen, ist auf heftige Kritik des Deutschen Diabetiker-Bundes gestoßen. Jetzt sei "die Politik in der Verantwortung, dem Beschluss des Bundesausschusses entgegenzuwirken", sagte der Verbandsvorsitzende Manfred Wölfert.

Wölfert kritisierte dabei auch die Ausnahmen, die der GBA für eine Therapie mit Analoga auf Kassenkosten zugelassen hat: bei allergischen Reaktionen von Patienten gegen Humaninsulin, wenn der Einsatz von Humaninsulin wegen hoher Dosierungen im Vergleich zu Analoga unwirtschaftlich ist oder wenn sich mit Humaninsulin keine stabile Stoffwechsellage erreichen lässt. Dass diese Kritik berechtigt ist und die Ausnahmeregelung im Ergebnis ins Leere läuft, lassen Äußerungen von Mitgliedern des Bundesausschusses befürchten. Zum Beispiel Wolfgang Kaesbach als Kassenvertreter: "Der Arzt muss in seiner Dokumentation nachweisen, dass er mit Humaninsulin sechs Monate lang keine stabile Stoffwechsellage erzielen kann. Wir gehen davon aus, dass dieser Nachweis nicht möglich ist." Das bedeutet: andere Tatbestände würden von Kassen nicht anerkannt, und der Arzt müsste dann mit einem Regress rechnen.

Hersteller wie Sanofi-Aventis kritisieren, dass Patienten - falls die Richtlinie in Kraft tritt - von den Vorteilen der kurzwirksamen Analoga ausgeschlossen werden. Als Beispiele nennt das Unternehmen: Vermeiden schwerer Unterzuckerungen, Spritzen auch nach den Mahlzeiten, Erhöhung der Therapiezufriedenheit und Lebensqualität. Vor der "willkürlichen Umstellung" von Patienten auf Humaninsulin warnte auch das Unternehmen Lilly Deutschland. Ein solcher Therapiewechsel könne "für Patienten unnötige Risiken und für Ärzte unabsehbare Haftungsrisiken bedeuten", sagte Lilly-Geschäftsführer Thomas Wellner. Falls das Ministerium die Richtlinie nicht beanstandet, könnten kurzwirksame Insulinanaloga dann von den Kassen bezahlt werden, wenn sie nicht teurer sind als Humaninsulin, teilt der GBA mit. (Quelle: Ärztezeitung, 20/7/2006)