07.09.2008

In aller Munde: Wellfood & Functional Food

Foto: Fraunhofer Gesellschaft
Das so genannte „Functional Food“ oder auch „Wellfood“ ist inzwischen bei uns in aller Munde – zumindest verbal, wenn es nämlich um die Diskussion über Sinn und Unsinn der funktionellen Lebensmittel geht. Eine Funktion haben dabei natürlich alle Lebensmittel: sie sollen uns nähren und sättigen. Von „Functional Food“ spricht man, wenn sie neben den gewünschten Geschmacks- und Sättigungseffekten noch weitere gesundheitsfördernde Funktionen erfüllen. So hört man zum Beispiel jüngst von Kuchen, der vor Krebs schützen soll, wenn er Leinsamen enthält, oder von Nudeln, die den Cholesterinspiegel senken sollen. Was sich anhört wie ein Werbegag, könnte schon bald Realität sein: . Forscher des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising haben wertvolle Bestandteile des Leinsamens und der Lupinenkerne isoliert und testweise in verschiedene Nahrungsmittel eingearbeitet: die Leinsaat in Kuchen, Brot, Dressing und Soßen, die Lupinen in Brot, Brötchen und Pasta. Leinsamen soll nämlich vor Krebs schützen - doch der Geschmack ist nicht jedermanns Sache. Die Forscher haben deshalb die wertvollen Bestandteile der Leinsaat isoliert. In Brot, Kuchen oder Dressing eingearbeitet, unterstützen sie den Organismus ohne unangenehmen Beigeschmack.

Das Ergebnis sei sowohl lecker als auch gesund. "Lein enthält neben vielen löslichen Ballaststoffen auch Lignane. Diese Stoffe sind Phytoöstrogene und haben damit ähnliche Wirkungen wie die Isoflavone, die man aus der Sojabohne kennt. Der Literatur zufolge sollen sie vor hormonabhängigen Krebsformen schützen, also vor Brust- und Prostatakrebs", sagt Dr. Katrin Hasenkopf, Projektleiterin am IVV. "Die Lupinen wiederum enthalten Stoffe, die sich laut unseren Studien positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken." Doch wie isolieren die Forscher die wertvollen Bestandteile? "Wir nutzen die unterschiedliche Löslichkeit der verschiedenen Fraktionen: So lösen sich bei einem sauren pH-Wert zunächst die unerwünschten Bitterstoffe. Stellt man dann wieder einen neutralen pH-Wert ein, erhält man die wertvollen Proteine - ohne bitteren Geschmack. Durch verschiedene Filtrationsschritte können wir zudem große von kleinen Bestandteilen trennen", erklärt Hasenkopf.

Die Isolierung der wertvollen Fraktionen haben die Wissenschaftler bereits im Griff. Nun stehen weitere Untersuchungen an, die die erhofften Wirkungen bestätigen sollen. "Aus der Literatur sind die gesundheitsfördernden Wirkungen der Leinsaat und der Lupinenkerne zwar bekannt, aber es gibt noch zu wenige aussagekräftige wissenschaftliche Untersuchungen dazu. Das Potenzial dieser Stoffe ist sicherlich sehr hoch", sagt Hasenkopf. In etwa drei Jahren, hofft die Expertin, dürften die neuen cholesterinsenkenden Lebensmittel in den Supermarktregalen erhältlich sein - und vielleicht auch Kuchen, Brötchen und Soßen, angereichert mit wertvollen Leininhaltsstoffen.