14.09.2008

Heilkunde auf chinesich

Bild: Chinesische Pflanzenkunde, Abb. aus dem Ben Cao Gang M
Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) ist ein ganzheitlicher Gesundheitsansatz, der inzwischen vielfach neben der westlichen Schulmedizin auch bei uns zur Anwendung kommt. Das kompakte Wissen um die TCM ist auch in vielen Wellness-Einrichtungen nicht mehr wegzudenken – der Trend geht zur Ganzheitlichkeit. Auch in der Medizin hat der asiatische Ansatz längst Einzug gehalten. Erste Voraussetzung für die Anwendung von TCM ist natürlich ein fundiertes Verständnis der chinesischen Medizin.

„Chinesische Medizin verstehen“ – darum geht es auch in der jüngsten Stiftung des Bildungsunternehmens VolkswagenStiftung. Rund 450.000 Euro bewilligt die Stiftung für die Übersetzung einer bedeutenden chinesischen Enzyklopädie der Arznei- und Naturkunde namens „Ben Cao Gang Mu“. Das Ben Cao Gang Mu gilt Kennern als eines der bedeutendsten Werke der chinesischen Heilkunde und als ein Weltkulturerbe, das auch der westlichen Medizin zugänglich sein sollte. Nicht weniger als 1900 Arzneidrogen hat der chinesische Arzt Li Shi Zhen im 16. Jahrhundert in dieser Enzyklopädie beschrieben, mehr als 11.000 Rezepte für die Medizin sind darin enthalten. Darüber hinaus gibt die "Monographisch geordnete Arzneikunde" vielfältige Einblicke in die chinesische Gesellschaft und seine Medizingeschichte.

Dieses geballte Wissen möchte Professor Dr. Paul U. Unschuld von der Charité - Universitätsmedizin Berlin nun auch Lesern ohne Chinesisch-Kenntnisse erschließen, er plant eine annotierte Übersetzung ins Englische. Die VolkswagenStiftung unterstützt das ambitionierte Vorhaben. Für das aktuelle Pilotvorhaben geht es insbesondere darum, zunächst methodisch-technisch eine Basis für die Übersetzung zu schaffen. Sie soll mit Hilfe anspruchsvoller computergestützter Technologien erfolgen. Ein Blick auf die chinesischen Schriftzeichen lässt erahnen, welche Entwicklungsarbeit für die Software und das Zusammenspiel mit einem Übersetzer zu leisten ist. Darüber hinaus sollen die Fachtermini auf historische Bedeutung analysiert werden, eine standardisierte Übersetzung ist das Ziel. Das Ergebnis wird nicht nur für die Übersetzung dieser Enzyklopädie bedeutend sein, sondern hilfreich auch für den künftigen Umgang mit anderen historischen chinesischen Texten aus Medizin und Pharmazie. (Kontakt Projekt: Charite - Universitätsmedizin Berlin, Horst-Görtz-Stiftungsinstitut, Prof. Dr. Paul U. Unschuld, Telefon: 030 450 52 93 51, E-Mail: unschuld@charite.de)