Haut & Hormone

Wenn die Haut aus dem Gleichgewicht geraten ist

Einfluss der Pille auf das Hautbild

Foto: twinlili/pixelio.de

13.09.2016

Beinahe täglich sind Kosmetikerinnen mit Kunden konfrontiert, deren Hautbild sich innerhalb der letzten Wochen deutlich verschlechtert hat, obwohl weder ein Wechsel der Pflegeprodukte noch eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten stattgefunden hat. Schuld daran kann eine hormonelle Umstellung sein.

Häufig liegt der Grund bei Verhütungsmitteln. Diese können den hormonellen Haushalt mit Beginn der Einnahme oder nach dem Absetzen gewaltig aus dem Gleichgewicht bringen und Auslöser verschiedenster Hautprobleme sein:

  • Akne ist eine der häufigsten hormonellen Hautveränderungen. Gerade nach dem Absetzen der Pille kommt es bei vielen Frauen zu Mitessern und Pusteln, die sich insbesondere an talgdrüsenreichen Regionen (Dekolleté, Rücken, Oberarme, Gesicht, Kinnbereich, Stirn) bilden. Die Unreinheiten treten ganz plötzlich auf, verursacht durch eine Überproduktion und Verhornungsstörung der Talgdrüsen.
  • Melasma ist eine Hyperpigmentierung der Haut, die ebenfalls hormonell beeinflusst wird. Neben der Einnahme der Antibabypille fördert auch eine genetische Veranlagung die Entstehung der Flecken. Sie zeigen sich großflächig und treten vor allem im Wangenbereich, der Stirn oder der Nase auf.
  • Seborrhoische Ekzeme äußern sich durch rötlich-gelbliche Schuppen. Ausschlaggebend ist eine vermehrte Talgbildung, die nach dem Absetzen der Pille einsetzt. Bemerkbar machen sich die Entzündungen vor allem auf der Kopfhaut, im Bereich der Augenbrauen oder der Nasenflügel.
  • Cellulite entsteht aufgrund einer Umverteilung des Fettgewebes. Dies kann eine Nebenwirkung der Antibabypille sein. Die Folge: Es kommt vor allem an Hüften und Oberschenkeln zur verstärkten Wasserbindung des Fettgewebes und somit zur Bildung von Cellulite.
  • Haarausfall kann auch eine Folge des hormonellen Ungleichgewichts sein. Häufig tritt der Haarverlust nach dem Absetzen der Verhütungsmittel auf. Grund dafür ist die Hormonabhängigkeit der Haarwurzel. Aber auch das andere Extrem, ein vermehrter Haarwuchs im Bereich der Oberlippe und des Kinns sowie an Armen und Beinen, ist nicht selten.

Hormonelle Hilfe: Grundsätzlich erfolgt die Entscheidung, Hautprobleme hormonell zu behandeln, immer durch einen Dermatologen, in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Gynäkologen. Zu beachten ist dabei, dass vor allem die Antibabypille nicht primär zur Verbesserung des Hautbildes zugelassen ist, sondern ausschließlich zu Verhütungszwecken. So hat nicht jede Antibabypille auch eine positive Wirkung auf die Haut. Verschrieben werden sollte daher eine östrogenbetonte Pille mit dem Wirkstoff Ethinylestradiol, die zusätzlich einen Inhaltsstoff mit antiandrogener Wirkung enthält. So wird die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron gehemmt. Solche hautklärenden antiandrogenen Wirkstoffe sind zum Beispiel Chlormadinon oder Cyproteronacetat. Mikro- und Minipillen beeinflussen das Hautbild übrigens nicht wesentlich. Auch Verhütungsmittel, die ihre Wirkstoffe lokal abgeben, wie zum Beispiel Hormonspiralen oder Verhütungsringe, haben weder eine positive, noch negative Auswirkung auf die Haut.

Vor- und Nachteile der Pille: Insgesamt hat die Antibabypille überwiegend positive Wirkungen auf das Hautbild. So werden bereits kurz nach Beginn der Einnahme der Teint ebenmäßiger, die Poren verfeinert und nebenbei die Struktur der Haare deutlich verbessert. Als negativer Nebeneffekt kann es allerdings auch zu einer Gewichtszunahme sowie zur Bildung von Cellulite kommen. Fast 20% der Frauen sind von Pigmentstörungen im Gesicht betroffen, die sich unter UV-Bestrahlung sogar noch verstärken können. Ein konsequenter, täglicher Lichtschutz mit mindestens Faktor 50 ist daher unerlässlich. Im Extremfall können die Flecken aufgehellt werden, was ausschließlich vom Dermatologen durchzuführen ist.

Absetzen der Pille: Bereits kurz nach dem Absetzen der Antibabypille leiden Frauen häufig unter einer deutlichen Verschlechterung des Hautbildes. Jetzt ist die Erfahrung einer professionellen Kosmetikerin gefragt. Sie kann durch gezielte Ausreinigungs- und Peelingverfahren sowie ein individuell angepasstes Hautpflegesystem für zu Hause den Zustand der Haut wieder deutlich verbessern. Meist pendelt sich der ins Schwanken geratene Hormonhaushalt nach etwa drei bis neun Monaten sowieso von allein wieder ein. Sollte sich die Haut jedoch nicht ausreichend bessern, ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Dermatologen unerlässlich. (Text: Dr. med. Christian Merkel, Quelle: beautyforum.de 1.9.2916)