25.11.2003

Happy Birthday - der Lippenstift ist 120 Jahre alt - Ein geschichtlicher Rückblick

Happy Birthday, Lipstick - das wichtigste Schminkutensil feiert seinen 120. Geburtstag! Rote Lippen galten zwar schon immer als Symbol der Erotik, der Sinnlichkeit und der Verführung. Doch erst die Erfindung des Lippenstifts verhalf dem Mund zu einer Atem beraubenden Karriere als erotischstes und ausdrucksstärkstes Sinnesorgan. Allein in Deutschland werden rund 36 Millionen Lippenstifte jährlich verkauft. Denn - sexy, schmollend, streng, traurig oder lachend - ein Hauch von Lippenstift verleiht dem vielseitigen Minenspiel der Frau einen perfekten Auftritt.

Das Jahr 1883 gilt als das offizielle Geburtsjahr des Lippenstifts: Auf der Weltausstellung in Amsterdam präsentierten Parfumeure aus Paris einen aus Rindertalg, Wachs und gefärbtem Rhizinusöl bestehenden Stift, der mit Seidenpapier umwickelt war und bei dem zur Benutzung jedesmal erst das Papier streifenweise abgeschält werden musste. Dieses erste Modell blieb aber erst einmal nicht nur wegen der komplizierten Anwendung ein Ladenhüter, sondern auch wegen seines Preises. Denn das sündhaft teure Teil kostete nach heutiger Währung rund € 50. Zudem galten damals verführerisch rote Lippen als unschicklich für die High Society: Damals färbten nur Damen des horizontalen Gewerbes, Gaukler und Schauspieler ihre Lippen mit dem "Stylo d'Amour". Diesen frivolen und treffenden Kosenamen erhielt das Liebesstäbchen übrigens von der Schauspielerin Sarah Bernhardt.

Mit den Waffen einer Frau

Erst seit den 20er- Jahren ist der "Rouge Baiser", der rote Kuss, gesellschaftsfähig. Mit Hilfe von Lippenschablonen konnten trendbewusste Damen traumhaft schöne Amorbögen der Stummfilm-Diven auf ihre Münder zaubern. In den 30er Jahren kamen endlich auch neue Farbnuancen ins Lippenspiel, und ein findiger Amerikaner erfand 1949 schließlich die Drehmechanik. Im Amerika des Zweiten Weltkriegs mutierte der Lippenstift zur "Waffe der Frau": Kosmetikhersteller brachten Farbtöne mit martialischen Namen wie "Victory Red" oder "Patriot Red" auf den Markt. Make-up galt als effektives Mittel zur Stärkung der Moral und zum Kampf gegen Kriegsmüdigkeit. Im nationalsozialistischen Deutschland hingegen war Lippenstift aus ideologischen Gründen tabu und die Kosmetikproduktion wurde kurzerhand "umgepolt": Maschinen, die bislang Lippenstifthülsen herstellten, benötigte man während des Kriegs zur Produktion von Patronenhülsen. Doch der Lippenstift trotzte allen Kriegen und Krisen - auch der jüngsten amerikanischen Wirtschaftkrise: "Wenn Frauen sich keine neuen Kleider leisten können, greifen sie zum Lippenstift", stellte der Kosmetik-Zar Leonard Lauder (Estée Lauder) 2001 anhand seiner Umsatzzahlen fest.

Auf den Mann gekommen

Heute ist der Lippenstift das meistgekaufte Schminkutensil: Allein in Deutschland wollen 85 Prozent der Frauen nicht darauf verzichten, wie eine Umfrage des Frankfurter Instituts "Psydata" ergab. Rund die Hälfte der Befragten würde nicht "ohne" das Haus verlassen. Ein Lippenstift besteht grundsätzlich aus Farbpigmenten, Ölen und Wachsen – insgesamt können bis zu 30 Stoffe enthalten sein. Je nach Farbintensität sind 2 bis 20 Prozent Farbpigmente enthalten, der Anteil der Öle (Rhizinusöl, Avocadoöl und Jojobaöl) liegt bei rund 60 Prozent. Lang anhaftende Lippenstifte enthalten zusätzlich ein flüchtiges Silikonöl, das nach dem Auftragen schnell verdunstet. Unter dem Motto "Auch ein Mann hat ein Recht auf Schönheit" hat der französische Mode- und Parfümmacher Jean Paul Gaultier nun die erste ausschließlich für Männer gemachte Kosmetikserie auf den Markt gebracht - darunter auch vier Lippenstifte in dezenten Rottönen.