10.11.2011

F. Witte/NetDoktor.de: Wenn Tattoos „unter die Haut“ gehen

Gefährliche Tattoos

Foto: © Jennifer Walz/Fotolia.com
Allergien, Infektionen, im schlimmsten Fall Krebs : Tattoo-Farben können die Gesundheit schädigen. Eine Entfernung des Hautschmucks ist möglich, aber aufwändig und teuer. Etwa jeder dritte Tattoo-Besitzer bereut irgendwann seinen permanenten Hautschmuck. Standardmäßig entfernen Ärzte Tattoos heutzutage mit dem Laser.

"Die älteren Methoden wie Abschleifung mit einem feinen Messer, Vereisung mit flüssigem Stickstoff oder Verätzung mit Säure hinterlassen ziemliche Narben und gelten heute als obsolet", sagt Inja Bogdan Allemann, Spezialistin für Tattoo-Entfernungen am Uniklinikum Zürich. "Mit dem Laser zerstören wir ganz selektiv nur die gefärbten Bereiche, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen." Das gelingt mit Lasern mit einer Pulsdauer im Nanosekundenbereich. Die genaue Wellenlänge wird je nach Farbton ausgewählt. Das Licht erwärmt die Farbpartikel, sie zerspringen in einzelne Teile und werden von körpereigenen Zellen abgeräumt.

Wie gut sich ein Tattoo entfernen lässt und ob eine oder mehrere Sitzungen reichen, hängt unter anderem vom Farbton ab und wie dicht die Pigmente liegen. Schwarze und dunkelblaue Farben sind am einfachsten zu entfernen, für ein vielfarbiges Tattoo sind oft zehn oder mehr Sitzungen erforderlich. Jede kann bis zu mehrere hundert Euro kosten. Als häufigste Nebenwirkung färbt sich die Haut vorübergehend hell oder dunkel. Selten kommt es zu Narben oder Entzündungen. Unter dem Einfluss von Laserlicht oder UV-Strahlung können Azofarbstoffe in der Haut gespalten werden.

Noch wissen Forscher zu wenig über die langfristigen Folgen. "Uns fehlen gute Studien", sagt Physiker Bäumler. Er und sein Team haben in Versuchen mit Schweinen ermittelt, dass auf einem Quadratzentimeter tätowierter Haut 2,53 Milligramm des häufig verwendeten roten Azofarbstoffs PR 22 eingebracht wird. Nach einer Umfrage der Forscher unter 3400 Tätowierten lässt sich jeder Dritte mehr als 900 Quadratzentimeter Haut tätowieren – das wären mehr als zwei Gramm PR 22. "Das halte ich für alarmierend", sagt Bäumler. "Wenn man bedenkt, dass in Europa viele Azofarbstoffe, auch PR 22, in Kosmetika verboten sind." Dies geschah unter der Annahme, dass ein Teil der Pigmente auch in die Haut gelangt und sich dort in krebserregende Stoffe umwandeln könnte. "Beim Tätowieren werden Hunderte von Milligramm direkt in die Haut injiziert – wir bräuchten dringend strengere Regeln für Tattoo-Farben in Europa." Eine europaweite Regel gebe es aber immer noch nicht – sei aber dringend nötig. (Quelle: Dr. med. Felicitas Witte, in: NetDoktor.de)