Faszien - Brücke zur Seele

Trend Forum: Bindegewebe, Faszien und Hautgesundheit

„Gute Verbindung“: Prof. Dr. Michael Schmidt über Gesundheit durch Faszientraining

Foto: Prof. Dr. Michael Schmidt / Quelle: BEAUTY Düsseldorf

11.04.2017

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde das Bindegewebe als ein reines Stütz- und Füllorgan angesehen, welches dem menschlichen Körper Form und Halt gibt. Aufgrund neuester Erkenntnisse aus der modernen Medizin- und Kosmetikforschung verstehen wir das „Bindegewebe“ jedoch immer mehr als ein höchst komplexes Informationssystem. Mehr noch: „Die Ursachen jeder Krankheit findet man im Bindegewebe“, erklärt Prof. Dr. Michael Schmidt in seinem Vortrag „Bindegewebe, Faszien und Hautgesundheit“ am 1. 4.2017 im Trend Forum auf der BEAUTY Düsseldorf.

Faszien sind ein Gewebe, das verbindet – und zwar nicht nur die Muskulatur mit den Knochen, sondern jede Zelle ist über das Netz (Bindegewebe) verbunden und kommuniziert miteinander. „Wir kommunizieren über unsere Hautzellen“, beschreibt Schmidt unser Bindegewebe als Kommunikationsnetz. Mit Hilfe von eigenen Botenstoffen stellt es den Kontakt der mehr als 60 Billionen Zellen unseres Körpers untereinander her, produziert wichtige Hormone und kann auf innere und äußere Reize wie ein autonomes Nervensystem reagieren. Alle Stoffwechselvorgänge jeder Zelle laufen über das Bindegewebe. Das Bindegewebe ist somit ein zentrales Transport- und Kommunikationsmedium unseres Körpers.

Der Biochemiker und Hautphysiologe erklärt das gesunde Bindegewebe als Grundlage für gesunde Organe und eine gesunde Haut und beschreibt anschaulich und einprägsam, wie psychische und physische Störfaktoren sich über das Bindegewebe auch an der Haut bemerkbar machen. „Ein gesundes Bindegewebe bedeutet ein gesundes Immun- und Nervensystem und umgekehrt. Die Faszien sind unsere Brücke zur Seele“, so der Experte. Im Bindegewebe wimmele es von Gewebshormonen, und wenn Stresshormone ausgeschüttet werden, so werden auch so genannte „Stress-Kollagene“ ausgeschüttet. Ein gesundes Fasernetz bedeute demnach nicht, quantitativ möglichst viel, sondern qualitativ hochwertiges Kollagen aufzubauen. Die Behandlung des Bindegewebes- zum Beispiel durch Dehnung/Faszientraining, elastische Bewegungen, Saugmassagen und Akkupunktur - ist somit auch Grundlage für eine erfolgreiche kosmetische Pflege der oberen Hautschichten.

Vor allem aber geht es Schmidt darum, „schön zu altern“: „Ich will nicht mit 90 Jahren aussehen wie ein 50jähriges Allerweltsgesicht, sondern ich will aussehen wie mein Original“, resümiert der Wissenschaftler. Das geht nur mit schönen Gedanken („Aus Gedanken wird Materie!“), einer guten Lebensführung – und einem gesunden Bindegewebe.