07.08.2004

Die wahre Aloe: Wundersame Wüstenlilie oder werbewirksame Trendpflanze?

Die heilende und pflegende Wirkung der Aloe Vera ist unbestritten und hinlänglich überliefert. Mit über 200 Inhaltsstoffen – davon mehr als 170 Aktivstoffe - wurde im Blattgel der Wüstenlilie ein wahrer Wirkstoffcocktail entdeckt.

Da die Aloe Vera fast "für alles gut" sein kann, haben sich in der Kosmetik- und Lebensmittelbranche leider auch Trittbrettfahrer breitgemacht, die ein Produkt mit der vielseitigen Heilpflanze bewerben, ohne deren Wirksamkeit nachweisen zu können. Hingegen weisen seriöse Hersteller nachdrücklich darauf hin, dass nur bei Verwendung naturbelassener Pflanzen deren Reichtum an Nährstoffen auch tatsächlich vorhanden ist. Unternehmen mit Bio-Siegel verwenden zum Beispiel kein Aloe-Konzentrat und keine gefriergetrockneten Aloe-Extrakte. Keine Zugabe von Wasser oder Alkohol, kein Gefrieren, kein Tiefkühlen, kein Auspressen der Blätter.
Bei richtiger Verarbeitung aber gilt: So wie sich die Wüstenlilie vor Austrocknung schützt (in der Natur kommt Aloe Vera monatelang ohne Regen aus, weil die Blätter viel Wasser speichern), so kann es auch der reine Aloe Vera-Saft auf der Haut. Die wertvolle Aloverose, der wichtigste Wirkstoff der Pflanze, ist ein ausgezeichneter Feuchtigkeitsspender. Der Wirkstoffmix wirkt beruhigend, feuchthaltend, regenerierend, abschwellend und schützend.
Doch ob Aloe Vera auf der Haut etwas bewirkt, hängt ganz vom Produkt ab. Laut Stiftung Warentest sind keine zusätzlichen Feuchtigkeitsspenden zu erwarten, wenn Aloe Vera in ausspülbaren Kosmetika wie Duschgel oder Shampoo steckt, da die Einwirkzeit zu kurz sei. In Cremes und Körperlotionen könnten Aloe-Vera-Bestandteile mehr ausrichten, weil sie in die Haut einziehen. Wenn dann Konzentration und Qualität dieser Pflanzenzusätze stimmen, könnten sie die Haut zusätzlich pflegen.
Nach Einschätzung von Branchenexperten eignen sich Aloe-Vera-Produkte als Sonnenschutz nur bedingt. Ihre Wirkstoffe könnten zwar als leichter natürlicher UV-Filter wirken, aber die für Kosmetika aufbereitete Rohware sei in der Regel arm an den Inhaltsstoffen Aloin und Anthrachinonen. Eine Reihe klinischer Studien bestätigen auf jeden Fall: Kohlenhydrate wie Acemannan können äußerlich die oberflächliche Hautheilung fördern, Salizylsäure kann leichte Entzündungen hemmen, so dass Aloe-Vera-Mittel auch die Behandlung von Akne, Schuppenflechte und Neurodermitis unterstützen könnten.