22.04.2006

Die sanfte Heilung: Phytotherapie

Zeitschrift für Phytotherapie/Hippokrates Verlag
Die Phytotherapie, das "Heilen mit Pflanzen", gehört zu der ältesten bekannten Heilmethode der Welt. In China und Indien wurden Heilpflanzen bereits vor 3000 Jahren zur Behandlung von Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen eingesetzt. Aufgrund jahrelanger Beobachtung, mündlicher und schriftlicher Überlieferungen sowie detaillierter Erfahrungsberichte entstand die Pflanzenheilkunde. Seit ca. 100 Jahren werden die Inhaltsstoffe der Pflanzen und dessen Wirkungsweise auf den menschlichen Organismus mit naturwissenschaftlich-medizinischen Methoden erforscht und dokumentiert. Im 16. Jahrhundert hatte Paracelsus damit begonnen, die bei uns heimischen Heilkräuter systematisch zusammenzufassen und Methoden entwickelt, wie die gewünschten Wirkstoffe am besten aus den Pflanzen extrahiert werden können. Er machte damit die Phytotherapie zu einer Erfahrungswissenschaft, die danach mehr und mehr naturwissenschaftlichen Grundsätzen folgte. Die abendländische Heiltradition arbeitet heute mit über 250 verschiedenen Heilpflanzen. Eingesetzt werden sie als Frischpflanzen, Drogen oder Extrakte als Tees, Kapseln, Tropfen oder Salben.

Mehr als zwei Drittel unserer heutigen Medikamente stammen übrigens ursprünglich aus natürlichen Organismen. So enthält Aspirin einen Wirkstoff aus der Rinde des Weidenbaumes, stark schmerzlindernde Substanzen wie die Opiate wurden aus dem Milchsaft des Schlafmohnes gewonnen, und erst vor kurzem fand man im Schneeglöckchen den Wirkstoff Galantamin, der jetzt bei der Alzheimer- Erkrankung eingesetzt wird. Kleinkinder bekommen Fencheltee, um Blähungen vorzubeugen, Kamillentee hilft bei Magen-Darm Beschwerden, Efeuextrakt findet man in Hustensäften und Melisse, Baldrian und Hopfen können bei Einschlafstörungen hilfreich sein.

Die Deutschen geben jährlich rund 2 Milliarden Euro für pflanzliche Heilmittel aus, mehr als alle anderen Menschen in der EU. Laut einer Umfrage des Emnid-Instituts sind 9 von 10 Personen mit der Wirksamkeit der Phytopharmaka zufrieden, nicht zuletzt deshalb, weil die Präparate im Gegensatz zu den chemischen Medikamenten ein breites Wirkungsspektrum bieten, aber kaum Nebenwirkungen haben. Trotz der guten Verträglichkeit der Phyto-pharmaka sollten auch sie nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, ohne sich zuvor bei einem Fachmann informiert zu haben. Vor allem Kombinationen verschiedener Heilkräuter und auch mit herkömmlichen synthetischen Medikamenten sind nicht immer unbedenklich. Viele Forscher sind sich einig, dass noch längst nicht alle Möglichkeiten in der Pflanzenheilkunde ausgeschöpft sind. Neue Entdeckungen erwarten die Wissenschaftler vor allem bei der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs. In Mikroorganismen, Pilzen, Pflanzen und vor allem Meerestieren sind noch gewaltige Schätze verborgen. (Quelle: www.dermonat.de)