15.05.2012

Chronobiologie: Leben gegen die innere Uhr

Übergewicht durch sozialen Jetlag

Foto: DuMont Verlag / ISBN: 3832161880
Wenn morgens der Wecker klingelt, möchten sich die meisten Menschen am liebsten noch einmal umdrehen statt aufstehen. Forscher der Universität München haben nun herausgefunden, dass die innere Uhr der meisten Menschen durch die Anforderungen des modernen Lebens völlig aus dem Takt ist - mit schwerwiegenden Folgen. Demnach trägt der sogenannte soziale Jetlag einen großen Teil dazu bei, dass die Bevölkerung immer dicker wird.

Normalerweise steuert der Wechsel von Tageslicht und Dunkelheit die innere Uhr. Viele Menschen aber halten sich immer mehr in geschlossenen Räumen auf. Zudem kommt, dass Faktoren wie die Zeitumstellung oder fest vorgeschriebene Arbeitszeiten gegen den persönlichen Rhythmus den biologischen Taktgeber noch mehr durcheinander bringen. Die Folge: den Betroffenen geht es wie nach einer Flugreise mit Zeitverschiebung, sie haben einen permanenten Jetlag.

Bereits seit zehn Jahren sammelt das Team um Till Roenneberg Zahlen zu Schlafmuster, Größe, Gewicht und Befinden der Bevölkerung. Bei der Analyse der Daten stellten sie fest, dass eine fehlgesteuerte biologische Uhr nicht nur zu einem gesteigerten Konsum von Alkohol, Zigaretten und Kaffee führt. Die aktuelle Auswertung zeigte einen weiteren Zusammenhang: Je größer der soziale Jetlag war, also je mehr die Betroffenen gegen ihren inneren Zeitgeber lebten, desto wahrscheinlicher hatten sie einen erhöhten Body-Mass-Index (BMI).

"Wer morgens einen Wecker braucht, hat einfach zu wenig geschlafen. Genügend Schlaf ist aber -anders als viele glauben - keine Zeitverschwendung. Er garantiert nicht nur eine bessere Arbeitsleistung, sondern offenbar auch schlankere Taillen", sagt Roenneberg. (Quelle: Roenneberg T et al. Social Jetlag and Obesity. Current Biology, 2012; DOI: 10.1016/j.cub.2012.03.038, gefunden in: www.netdoktor.de/11.5.2012)