29.07.2005

"Wellness im Büro" : kreativer & gesunder Mittagsschlaf

Siesta in Spanien/Foto: dpa
Ein kubanisches Sprichwort sagt: "Wer die ganze Nacht schläft, hat am Tage Anspruch auf ein wenig Ruhe". Was witzig gemeint ist, hat einen wissenschaftlichen Hintergrund: Längst ist es erwiesen, dass ein kurzer Mittagschlaf die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit deutlich erhöht. Die Ergebnisse der Biorhythmus-Forschung bestätigen, dass auch die innere Uhr des Menschen auf eine Erholungsphase zwischen 13 und 14 Uhr programmiert ist. Wer sich um die Mittagzeit eine maximal 30-minütige Siesta gönnt, erwacht nicht nur frisch und ausgeruht, sondern ist zudem noch leistungsfähiger und kreativer als die entschlossenen Durchhalter, die ihre natürliche Schläfrigkeit mit Koffein bekämpfen. Oder mit dem Scheinargument, für eine Pause keine Zeit zu haben. Auch dafür gibt es ein passendes Zitat: "Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben, sondern es ist viel, was wir nicht nützen", wusste bereits Seneca. Und einige Minuten Ruhe zur Mittagszeit nützen Körper und Geist mehr als falsch gemeinte Power.

Der Mittagsschlaf kommt praktisch im gesamten Tierreich vor - und in einigen südlichen Ländern. Viele Europäer beneiden z. B. die Spanier um ihre Siesta. Neueren Umfragen zufolge hielte jeder dritte Deutsche gern am Arbeitsplatz einen Mittagschlaf. Tatsächlich aber erlauben sich nur 6 Prozent der Deutschen das belebende Nickerchen. Denn wer die Mittagszeit für einen kurzen Schlaf nutzt, gilt hierzulande immer noch als faul. Schlafforscher Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg, betont die Wichtigkeit der Mittagsschlaflänge: "In der Nacht brauchen wir dringend den Tiefschlaf, sonst sind wir nicht ausgeschlafen. Am Tag bei einem Nickerchen darf man nicht in den Tiefschlaf fallen, weil man sonst anschließend in den Zustand der Schlaftrunkenheit gerät. Zwischen zehn und 30 Minuten reichen schon aus, um anschließend leistungsfähiger zu sein."

In Amerika ist die Nickerchen-Tradition übrigens schon längst eingeführt: Während die ausgedehnte Siesta in Spanien, die "iberische Form des Yoga" (Camilo José Cela), zunehmend verschwindet, erleben andere Länder eine mittägliche Schlafrenaissance. Studien in amerikanischen Unternehmen ergaben, dass ein Mittagsschlaf die Produktivität der Mitarbeiter verbessert. Manche Firmen richteten für ihre Beschäftigten "nap rooms" (Nickerchen-Räume) ein, was nebenbei einen starken Rückgang des Kaffeekonsums zur Folge hatte. Moderne Arbeitsmediziner folgern auch hierzulande aus diesen Forschungsergebnissen: Wer seine Gesundheit erhalten und Krankheiten vorbeugen möchte, sollte sich solche Pausen gönnen. Abgesehen davon, freut sich auch ein Arbeitgeber über leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter.
(Quellen: www.lifeline.de, T-Online Nachrichten)